der Vorhang eines Hotelzimmers, hinter dem die Großstadt plötzlich zu einem sorgfältig ausgeleuchteten Filmset zu werden scheint. Selbst der schwarze Asphalt ist noch fähig, das bunte Licht zu reflektieren: Ein nasses Stück Straße glänzt in allen Regenbogenfarben. Eine Neonschrift verspricht: „Open“. Dabei ist drum herum nur feste, geschlossene Oberfläche, die rätselhafte Objekte spiegelt. Selten ist mal Tag auf diesen Bildern: Und wenn, dann ein diesiger, der gar nicht so recht passen mag zu den Palmen und dem Strand, die sich unscharf hinter der Scheibe im Wind biegen. Menschen gibt es nicht– nur ihre Umwelt, die zwingend eine urbane Umwelt sein muss, denn ohne die Lichter der Großstadt könnten diese Bilder nicht entstehen.

Die Bildtitel verraten häufig, wo die Aufnahmen zu verorten sind, ob in New York oder Berlin-Mitte. Aber der konkrete Ort ist letztlich nicht entscheidend. Die nächtlichen Lichter als Chiffren des Glamours und die Neonkälte der öffentlichen Transiträume, die ihren Ursprung in den Bildwelten der amerikanischen Städte hatten, sind längst in unser aller visuelles Reservoir eingegangen.

Auch in früheren Serien der 1967 in Berlin geborenen Lehmann-Brauns waren menschenleere Orte zu sehen – Orte, die auf ihre Bewohner noch warteten, oder die vielleicht gerade von ihnen verlassen wurden. Lehmann-Brauns, die bei Joachim Brohm studierte, hat sich zwar nie von dessen Präzision, früh aber von der Beschränkung auf das Dokumentarische verabschiedet. Wenn sie Bars, Clubs, Lounges und Hoteltresen, Theater und Kinos fotografierte, dann zeigte sie zwar die realen Orte, aber gab ihnen eine surreale Qualität: Immer waren sie leer, die Vorstellung vorbei, der Rauch erkaltet, die Musik verstummt. Nur die satten, am liebsten rötlich dunklen Farben waren geblieben und die verräterischen Details, die einen Ort an seine Zeit binden. Immer sieht ihr Blick die Form im Interieur, destilliert die entscheidenden Linien und Winkel heraus, um aus einem Raum ein ästhetisches Ensemble zu machen. In einer anderen Serie begann sie, Räume nachzubauen: Settings zwischen Puppenstube und Bühne, deren Titel verrieten, dass sie eigentlich als Porträt gemeint waren. „Oma Kessler“ war eine einsame Zimmerpflanze vor gemusterter Tapete, mehr braucht ein Erinnerungsraum nicht, um Bild zu werden.