zu verweisen. Der Verweis bleibt aber unerfüllt, jede Spezifizierung ebenso wie jede Kontextualisierung bleiben aus. Durch das Fehlen von handlungstragenden Elementen, die die durch die Ausstattung begonnenen Geschichten weiterspinnen könnten, wird die Imagination des einzelnen Betrachters angeregt. Wie leere Bühnen rufen sie nach der subjektiven Erinnerung des Wahrnehmenden, um sie mit Leben zu füllen, sie appellieren geradezu an den Zuschauer als Koproduzenten. Und in mancherlei Hinsicht treiben sie auch ihr Spiel mit der Wahrnehmung des Betrachters, legen Fährten, die im Nichts verlaufen, erzeugen Illusionen, die sich in Luft auflösen, führen Farben, Formen, Bewegungen vor Augen, die aber doch nur Spiegelungen und Täuschungen sind.

Manche der Räume haben ganz offensichtlich theatrale Qualitäten, sie wirken wie Theaterdekorationen nach dem Ende der Vorstellung, wie Kulissen, die schon lange nicht mehr gebraucht wurden, denen ihr Sinn abhanden gekommen ist, weil in ihnen nicht mehr gespielt wird. Manche Bilder spielen auch thematisch mit dem theatralen Raum: Ein in das Bild hängender Scheinwerfer und ein Sandhügel erinnern an ein tatsächliches Bühnenbild, Lichtkegel auf Wänden oder Böden an Spots im Theater, ein roter Vorhang und eine halbgeöffnete rote Tür rahmen den Blick in einen Raum dahinter.
Türen und Vorhänge sind ein häufig wiederkehrendes Motiv. Sie versprechen einen Ausgang, einen anderen Ort, ein »Dahinter«, das jedoch nie in Erscheinung tritt. Eine Natur oder unmittelbar greifbare Realität hinter dem Vorhang, hinter der theatralen Kulisse, gibt es bei Anna Lehmann-Brauns nicht. Das Draußen bleibt unserem Blick entzogen, oder aber es tritt nur vermittelt und gerahmt in Erscheinung. Manchmal, wie beispielsweise in Bowling 2 (2006), sind die Türen kaum als solche zu erkennen, sie gehen im Interieur unter, und man fragt sich, ob sie sich überhaupt irgendwohin öffnen lassen. Der rote Vorhang von Kino International (2004) rahmt im Zusammenspiel mit den roten Fensterstreben, dem roten Leuchter, den Blick nach draußen, in die Realität der Stadt Berlin, er inszeniert die Wahrnehmung des Betrachters und verleiht der Wirklichkeit somit ein Moment des Irrealen und Theatralen. Auch in Hotel Belvedere (####) sieht der Außenraum, der durch einen Türbogen und ein Fenster wie ein Bild im Bild gerahmt ist, mindestens ebenso irreal aus wie der Innenraum im Vordergrund.