Zugehörigkeit. Nach einem Ort also, an dem ich Spuren hinterlasse. Aber die Abgeschlossenheit der Orte spricht mehr von Isolation als von Geborgenheit, und die warmen Farben mancher Bilder erinnern an die Vorstellung einer Einheit des Subjekts mit sich selbst und mit der Welt, die aber eben nur als Erinnerung auftaucht, als Erinnerung eines Verlusts. Und so scheint der moderne Melancholiker durch die Bilder zu geistern, der inmitten des Getümmels der Großstadt einsam und heimatlos ist, mit analytischer Schärfe auf seine Umgebung schaut und um ihre Leere, Vergänglichkeit und Zusammenhanglosigkeit weiß.
Es ist aber auch eine lustvolle Melancholie, die aus den Bildern spricht, die sich über die Sinnlichkeit der kräftigen Farben, des Lichts, der bestechend klaren Kompositionen und über die Stofflichkeit des Materials vermittelt. Eine Melancholie, die die Dinge und ihr Herausgefallensein aus jedweder sinnstiftenden Ordnung lustvoll genießt.

Anna Lehmann-Brauns’ Bilder wirken ausgesprochen theatral. Sie versuchen nicht, reale Orte abzubilden oder zu illustrieren, sondern sie erzeugen Räume, die den Betrachter auf einer sinnlichen Ebene ansprechen und eine raum-zeitliche Erfahrung bieten, die der Erfahrung theatraler Prozesse ähnelt. Die Räume sind inszeniert, äußerst präzise komponiert, und gerade die Beleuchtung wird als theatrales Element eingesetzt, indem sie in ihren materiellen Qualitäten und ihrer sinnlichen Wirkung hervorgehoben wird. Sie wirkt nie natürlich, sondern wie ein Scheinwerferlicht, das alles, was es berührt, irrealisiert. Sie beeinflusst oder verändert die Räume nicht nur, sondern sie gestaltet sie geradezu und wird als ein gestalterisches Element sichtbar gemacht. Und dies gilt auch für andere kompositorische Elemente wie beispielsweise Ausschnitt und Perspektive: Sie werden als gestalterische Mittel sichtbar gemacht, sodass der Abstand zur Realität immer kenntlich ist. Es sind künstliche Räume, die Anna Lehmann-Brauns schafft, sie visualisieren gleichsam ein theatrales Als-ob. Dieses Als-ob, also die Verabredung, dass das Bühnengeschehen nicht mit der Realität identisch ist, sondern nur so tut als ob, prägt den theatralen Raum und seine Wahrnehmung. Anna Lehmann-Brauns erzeugt Räume, die beispielsweise so tun, als ob sie ein Schwimmbad seien, aber sie gehen in dieser Funktion nicht auf, keiner schwimmt in ihnen, stattdessen sprechen sie auf sinnlicher Ebene von der Erfahrung