Menschen ausgerichtet. Indem ihre eigentliche Funktion unerfüllt bleibt, fallen sie aus dem funktionalen Zusammenhang der Gesellschaft heraus und erlangen ästhetische Eigenständigkeit. Ihre Funktionslosigkeit geht aber auch mit einem Sinnverlust einher, es sind sinnentleerte Räume, Verkörperungen eines Herausfallens aus Gesellschaft, Sinn und Gemeinschaft. Der Mensch, der sich in diesen Räumen durch seine Abwesenheit manifestiert, ist eine Randfigur postmoderner Geschwindigkeit, Flexibilität und Funktionalität. Er ist ein Verlassener, vielleicht noch radikaler einsam als die isolierten Figuren auf Edward Hoppers Bildern, an die manche der Bilder Anna Lehmann-Brauns’ erinnern. Auch ihre Räume sind Orte des modernen Großstadtlebens, Bars, Restaurants, Kinos, Orte der Zerstreuung und des Vergnügens, die hier aber leer bleiben, ohne jede Spur eines Menschen, ohne jedes persönliche Zeichen, und auf diese Weise die Erfahrung der Einsamkeit inmitten der Großstadt versinnbildlichen. Gerade ein verheißungsvolles, warmes Licht auf roter Wand spricht vom verlorenen Glück und der Sehnsucht nach ihm, spricht auch von der Sprachlosigkeit des Menschen angesichts einer Realität, der mit Sprache nicht mehr beizukommen ist.
Die meisten Räume, die Anna Lehmann-Brauns fotografiert, sind halböffentliche Räume: Restaurants und Hotellobbys, Sitzungs- und Wartesäle, Bars, Diners und Kinofoyers. Es sind Orte, die das Private ausschließen und es doch auch gerade aufgrund ihrer anonymen Struktur zulassen. In diesen halböffentlichen Räumen verbindet sich üblicherweise das Persönliche mit dem Gesellschaftlichen, das subjektive mit dem kulturellen Gedächtnis, die Anonymitätserfahrung der Moderne mit dem Versprechen von Vergnügen und Geselligkeit. Es sind zugleich Räume, in denen man sich nur für eine gewisse Zeit aufhält, für eine Stunde, einen Abend, eine Nacht vielleicht, oder transitorische Orte wie Flure, Durchgänge, Treppenhäuser. Manchmal stehen Ecken, Winkel oder Wände im Vordergrund, die Ränder der Räume sowie der Wahrnehmung werden ins Zentrum gesetzt, und zugleich wird eine Ausweglosigkeit versinnbildlicht.
Öffentliche oder halböffentliche Orte haben keine Bewohner, es sind Orte, an denen sich in gewisser Weise Heimatlose aufhalten, Menschen, die an diesem Ort nicht zu Hause sind. Die Sehnsucht nach dem Vergangenen artikuliert sich hier als Sehnsucht nach einem Ort, der mich aufnimmt, nach einem Ort der Geborgenheit und der