Steglitz International (1999) nicht die verschiedenen Zeitzonen unseres Globus und damit das Vergehen der chronologischen Zeit anzuzeigen, sondern vielmehr ihren Stillstand, den Stillstand der Zeit und der Welt. Zeit wird in den Bildern der Fotografin nicht als lineare, sondern als schier unendliche Dehnung der Zeit im Hier und Jetzt erfahrbar.

Anna Lehmann-Brauns hat als Grundmotiv ihrer Arbeit einmal die Sehnsucht nach dem Vergehenden und den Wunsch, dieses Vergehende zu konservieren, genannt. Tatsächlich scheint sie die Räume, die sie in ihren Bildern erzeugt, zu konservieren, anzuhalten und so festzuhalten, wie sie sind. Zugleich aber hält sie sie durch die kompositorischen Mittel in einem Schwebezustand: in der Schwebe zwischen einer konkreten Örtlichkeit und irrealen, imaginären Räumen, an denen sich die subjektive Erinnerung des einzelnen Betrachters zu entzünden vermag. Artikuliert wird die Sehnsucht nach einem Festhalten von Erinnerung, das aber zwangsläufig scheitern muss. Die Orte als Anknüpfungspunkte subjektiver Erinnerung bleiben leer und bieten vielleicht gerade so dem einzelnen Betrachter die Möglichkeit, sein eigenes Begehren, seine eigenen Erinnerungen und Sehnsüchte in sie einzubringen.
Äußerst präzise und sensibel inszeniert Anna Lehmann-Brauns Räume, die das Erinnern sichtbar machen. Das Erinnern an eine Vergangenheit, die nur mehr in Form von Interieurs, von aus der Mode gekommenen Möbeln, Farben und Einrichtungsgegenständen anwesend ist. Das Erinnerte selbst aber bleibt abwesend, muss abwesend bleiben. Die konkreten Zeichen für eine bestimmte Vergangenheit, die Anna Lehmann-Brauns verwendet, also etwa die zeitliche Verortung bestimmter Gegenstände, sind dabei jedoch von weit geringerer Bedeutung als die Atmosphäre, als das spezifische Raum- und Zeitempfinden, das sie kreiert. Die Gegenstände, Versatzstücke, die Farben und Muster verweisen meist auf die 1960er- und vor allem die 1970er-Jahre. Sie sprechen dadurch auf einer Ebene die Erinnerung an diese konkrete Zeit an, die für die Generation der Fotografin die Zeit der Kindheit ist. Da dieser zeitliche Verweis aber nicht weiter spezifiziert oder kontextualisiert wird, sondern die Bilder im Gegenteil durch die Leere sowie durch Elemente wie beispielsweise die Beleuchtung irrealisiert werden, sind sie für unterschiedlichste