Miriam Dreysse

Erinnerung und Melancholie

Anna Lehmann-Brauns‘ theatrale Räume

Eine gedeckte Tafel wartet auf die Gäste, perfekt zentralperspektivisch angeordnet stehen die Stühle bereit, doch niemand ist da. Sessel schweben über einem glänzenden Boden, der ganze Raum scheint über der Welt zu schweben, auch hier gibt es keine Menschen, die Sessel bleiben leer. Dunkle Flure, Durchgänge, Hintertreppen scheinen darauf zu warten, dass jemand sie benutzt, scheinen ein Geheimnis bereitzuhalten, ein helles Licht in einer Tür, einen rötlichen Schein, doch niemand kommt, um nachzusehen. Leere Schwimmbäder mit einer makellos glatten Wasseroberfläche, lange ist hier niemand mehr geschwommen, nur das Seerosenmuster an der Wand spiegelt sich im Wasser. Auf der Bowlingbahn stehen alle Kegel bereit, aber keine Kugel berührt die Bahn, noch nicht einmal die Diskokugel an der Decke dreht sich. Leere Garderobenständer, das Schlüsselbord einer Hotelrezeption ohne einen einzigen Schlüssel, leere Wartesäle und Restaurants – wir blicken in menschenleere Räume, die darauf zu warten scheinen, dass jemand sie betritt und mit Leben füllt, aber keiner kommt, schon lange nicht mehr. Anna Lehmann-Brauns findet und erfindet Räume, in denen die Zeit stehen geblieben zu sein scheint, die wie Inseln in einer sich immer schneller bewegenden Gesellschaft wirken, vergessen von der funktionalen Dynamik der äußeren Welt.
Räume konstituieren sich immer auch über eine Erfahrung von Zeit, selten wird einem das so deutlich wie in den Bildern von Anna Lehmann-Brauns vor Augen geführt. Beim Betrachten fließen fiktive und reale Zeit ineinander, die Räume dehnen sich aus, ihre Leere und die Komposition von Geometrien und Symmetrien erzeugen einen Eindruck von Dauer, von Permanenz, der die Zeit anzuhalten scheint. Der Stillstand der Zeit öffnet die Bilder zugleich auf einem Empfinden der Zeitlosigkeit und der Irrealität. Bewegung kommt in den Bildern nur als ein illusionistisches Moment, als eine Spiegelung auf glänzendem Boden oder spiegelglattem Wasser vor, die eine Bewegtheit suggeriert, die nie eintritt. So scheinen auch die Uhren im